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Die Geschichte der Iggelbacher Glocken

Drei Glockengenerationen Die Kleinste aus der 2. Generation läutet in Kamerun

Die Iggelbacher Glockengeschichte umfasst drei Glockengenerationen. Wie bei vielen anderen hat auch die Geschichte der Iggelbacher Glocken zum Teil einen tragischen Verlauf genommen. Es kann als Segen angesehen werden, dass Iggelbach am Sonntag, dem 25. April 2004, das 50 jährige Jubiläum der 3. Glockengeneration feiern kann.

Die Geschichte der Iggelbacher Glocken dürfte in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang genommen haben. Gesichertes Quellenmaterial über den Zeitpunkt der Anschaffung einer ersten Glocke in Iggelbach gibt es nicht. Man weiß aus einer Gerichtsakte, dass eine Glocke schon vor 1894 im Ort läutete. Die Glocke, sie war eher ein Glöcklein, hing in einem Dachreiter auf dem Schulhaus. Zu jener Zeit hatte Iggelbach noch keine Kirche und auch noch keinen Glockenturm. Es ist denkbar, dass die kleine Glocke beim Bau des ersten Schulhauses 1854 von den Iggelbacher Bürgern angeschafft und damals in dem Dachreiter untergebracht worden ist. Das scheint im Hinblick auf die vielfältigen Funktionen die eine Glocke in früherer Zeit zu erfüllen hatte, nicht so abwegig zu sein. So diente zum Beispiel die Glocke über das Schulläuten, das Morgen- und Abendläuten, das Toten und Begräbnisläuten hinaus auch als Turmuhr sowie als Melderin bei Feuersbrünsten. Sicher hat die kleine Glocke schon viele Jahre, vor ihrer erstmals schriftlichen Erwähnung, diese funktionalen Dienste in Iggelbach erfüllt.
Das Läuten selbst lag in den Händen des Dorfschullehrers, der teils von der protestantischen Kultusgemeinde, teils von der Gemeinde bezahlt wurde.
Bedeutsam in der Geschichte der ersten Glockengeneration ist das bereits erwähnte Jahr 1894.
Dies steht in einem engen Zusammenhang mit der Auflösung des Iggelbacher Holzhauer-Unterstützungsvereins in dem betreffenden Jahr.
Die Gründung von Holz- und Triftarbeitervereine für den Raum Elmstein war bereits ab 1852 in gang gekommen. Zur offiziellen Gründung von Unterstützungsvereine, jeweils auf Revierebene, war es dann am 1. Oktober 1860, auch im Forstamtsrevier Iggelbach gekommen.
Der Verein erfasste alle Waldarbeiter als zahlende Mitglieder und er diente zur finanziellen Grundabsicherung bei Krankheits- und Unglücksfällen. Dieser soziale Zweck entfiel mit der gesetzlichen Einführung der Kranken- und Unfallversicherung 1883 durch Reichskanzler Bismarck. Durch diese allgemeine Sozialgesetzgebung war dem Holzhauer-Unterstützungsverein der zweckgebundene Status verloren gegangen. Seine Auflösung war nur noch eine Frage der Zeit. Die kam in einer von Forstmeister Lengenfelder, des Forstamtes Elmstein Süd, einberufenen Generalversammlung im Januar 1894. Die anwesenden Mitglieder beschlossen mehrheitlich die Auflösung des Vereins. Über das vorhandene Vereinsvermögen von 3003 Mark gab es den Beschluss, zwei Glocken anzuschaffen. Sie sollten stimmend zu der vorhandenen kleinen Glocke auf dem Schulhaus sein. Den Auftrag für 2100 Mark erhielt die Glockengießerei Pfeiffer in Kaiserslautern. Ins Auge gefasst war mit den restlichen 900 Mark einen Glockenturm zu errichten. Grundsätzlich herrschte Einigkeit über den Bau eines Glockenturmes. Streit gab es jedoch über den Standort. Zwei Lager hatten sich im Ort gebildet, „ die Unner- und die Ewwerdörfer. Die einen wollten den Turm „uff em Schloß“ bauen die anderen „ uff em Brett“, nahe der heutigen Kirche. Wegen dieser unterschiedlichen Forderungen und eigenwilligen Auslegungen der Beschlüsse des inzwischen gegründeten Glockenvereins, wurde beim Königlichen Landgericht Frankenthal sogar Klage erhoben. Glockenverein gegen Holzhauerverein waren die streitenden Parteien. Ersterer war aus dem zweiten hervorgegangen. Paradoxerweise pochte jeder der beiden Vereine auf das alleinige Recht an den Glocken.

Das Landgericht Frankenthal verkündete, wie aus den Gerichtsakten hervorgeht den salomonischen Urteilsspruch, beide Vereine haben die Glocken beschafft, demnach sind beide Vereine gleichberechtigt an dem Besitz der Glocken. Daraus resultierte auch der spätere Beschluss, beide Vereine in den Holzhauer-Glockenverein umzuwandeln.

Der Prozess endete 1899. Mit dem Richterspruch war das Zeichen zum Bau des einstöckigen Glockenturms „uff em Schloß“ gegeben. Eine kleine Anhöhe im Süden von Iggelbach, die diesen Namen ohne historischen Bezug trägt. Über 4 Jahre standen die Glocken während des Streites im Freien herum und sie wurden oftmals zum Ärger der anderen Partei willkürlich geläutet. Mit dem Neubau des Turmes ging ihre Odyssee zu Ende. Zusammen mit der alten Glocke des Schulhauses fanden sie endgültig ihren festen Platz in dem neugebauten Turm. Nur wenige Jahre klang ihr Geläut von diesem Turm aus über das Dorf. Der Streit war noch nicht lange beigelegt, da wurden die Iggelbacher gezwungen sich von ihren Glocken zu trennen. Alle drei mussten im Ersten Weltkrieg für die Herstellung von Kriegsmaterial abgegeben werden. Danach fehlten Iggelbach sieben Jahre lang ein Glockengeläut. Wie diese Zeit ohne Geläut überbrückten wurde, ist nicht bekannt. Sehr schwierig war es in der notvollen Nachkriegszeit und in den Jahren galoppierender Inflation, Geld für eine oder mehrere Glocken zu beschaffen. Die Freude war groß als 1924 eine preisgünstige Glocke von der Gießerei Pfeiffer in Kaiserslautern erworben werden konnte. Ein Bild von damals zeigt wie stolz die Iggelbacher Bevölkerung über ihren neuen Besitz war. Die Glocke kam auf den Turm „uff em Schloß“. Zuvor ist dieser aufgestockt worden. Die Gemeinde ließ daran zusätzlich eine Uhr mit Schlagwerk anbringen. Fortan läutete dort die einzelne Glocke bis die protestantische Kirche in Iggelbach „ auf dem Brett“ gebaut war.
Am 24. Mai 1931 war die Grundsteinlegung der Kirche und am 11. Oktober 1931 wurde sie eingeweiht. Für das Kirchengeläut ließ die protestantische Kirchengemeinde eine große und eine kleine Bronzeglocke gießen. Passend zum Ton der 1924 angeschafften Glocke. Diese wurde 1933 zusammen mit der Uhr auf den Kirchturm übernommen. Zusammen mit den zwei neuen Glocken war wieder ein Dreiglockengeläut wie ehemals vor dem Ersten Weltkrieg in Iggelbach zu hören. Die zweite Glockengeneration war komplett. Leider war ihre Lebensdauer auf eine kurze Zeit begrenzt. Nur zehn Jahre verrichteten die Glocken gemeinsam Ihren Dienst bis zwei davon 1943 für Kriegs- und Rüstungszwecke abgeliefert werden mussten. Wenigstens eine, allerdings die kleinste Glocke blieb auf dem Kirchturm zurück. Sie tat ihre Dienste in Kriegs- und Nachkriegstagen bis zum Jahre 1954.

Bereits im Jahr zuvor war in Iggelbach eine Spendenaktion zur Beschaffung neuer Kirchenglocken angelaufen. Ursprünglich dachte man an eine oder zwei Bronzeglocken. Überraschend flossen aber die Spendengelder so reichlich und durch eine zusätzliche Stiftung eines Fabrikanten aus Erfenstein und der politischen Gemeinde Elmstein konnten 1954 drei Glocken beim Bochumer Verein für Gussstahlglocken bestellt werden. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung und auf einem Pferdefuhrwerk wurden die Glocken am 28. März 1954 eingeholt. Glockenweihe war am 25. April 1954 in der Kirche in Iggelbach. Ein halbes Jahrhundert, länger als keine zuvor, läutet nunmehr die dritte Glockengeneration vom Kirchturm in Iggelbach. Sie ist aus Gussstahl und klingt in den Tönen A, C, und D. Die Totenglocke hat ein Gewicht von 519 Kilogramm, die Betglocke 288 Kilogramm und die Taufglocke 230 Kilogramm. Jede der drei Glocken trägt den Eigentumsvermerk „Protestantische Kirchengemeinde Iggelbach“.
Die kleine Bronzeglocke, sie wiegt 219 Kilogramm, aus der zweiten Generation hing 26 Jahre nutzlos neben den drei Gussstahlglocken im Kirchturm. Ein Hilferuf nach einer Glocke aus einem kleinen Dorf in Kamerun im Jahre 1980 beendete ihre Ruhezeit. Das Presbyterium entschloss sich damals, der presbyterianischen Kirchengemeinde in Mom-Makak, die kleine Glocke zu schenken. Seitdem läutet sie im fernen Afrika und ersetzt das schlagen einer Trommel. Bei der Errichtung eines Turmes für die Glocke sind die Iggelbacher ebenfalls hilfreich gewesen.

Von neun Glocken aus drei Glockengenerationen läuten heute noch vier, drei vom Kirchturm in Iggelbach und eine in einen kleinen Dorf in Afrika.
Für die dritte Generation kann die protestantische Kirchengemeinde am 25. April 2004, das fünfzigjährige Glockenjubiläum begehen.

Herbert Fuchs

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